Einschlafen und Aufwachen

„Geschichten helfen Kindern einzuschlafen und Erwachsenen aufzuwachen“.

Jorge Burcay

Sie dürfen auf eine Kindheit zurückblicken, in der die abendliche Gute-Nacht-Geschichte zum festen Ritual gehörte? Dann sind Sie reich an einer wertvollen Erfahrung. So manches Mal, wenn ich in der Arbeit mit Klienten nicht vorankomme, weil alle Beteiligten ‚„siegen wollen“ helfen Geschichten eine neue Dynamik zu entfalten. Dies ist möglich, weil wir im Geschichten erzählen an eine der ältesten Kulturtraditionen anknüpfen. Geschichten beinhalten:

  • Erfahrungen
  • Erkenntnisse
  • zeichnen Lernschritte ab
  • helfen zu einer inneren Distanz zu kommen
  • fördern eine humorvolle Sicht auf die Dinge
  • stellen die eigenen Denkmuster in Frage („Unser Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung wechseln kann“, Francis Picabia)
  • beleuchten Grundsatzfragen nach der (scheinbaren) Gerechtigkeit
  • verdeutlichen wo das leidige Thema Schuld eine Rolle spielt
  • geben (Lebens-)Weisheiten wieder

Also ein reicher Fundus für den Umgang mit Problemen und dem Finden von Lösungen!

Diese Lösungen müssen definitiv NICHT immer das Optimum darstellen – wenn sie allen Beteiligten ermöglichen, gut damit zu leben, ist viel gewonnen. Zu dem, warum Geschichten so tiefe Wirkung zu entfalten vermögen, nächstens mehr.
Für heute viel Spaß beim Lesen!
It’s simple but not easy – herzlich grüßt Sie,

Christa G. Kober

 

„Wer kämpft, verliert”

Anekdote aus Indien

Ein Schakal, der jung verheiratet war, wohnte in der Nähe eines Flusses. Eines Tages bat ihn seine Gefährtin, für das Abendessen einen Fisch zu besorgen. Er versprach es ihr, ohwohl er nicht schwimmen konnte. Daraufin schlich er an das Ufer des Flusses und beobachtete zwei Otter, die mit einem riesigen Fisch kämpften, den sie gefangen hatten. Nachdem sie den Fisch erlegt hatten, gerieten sie in Streit, wie sie ihn aufteilen sollten. „Ich habe ihn zuerst entdeckt, also gehört mir das größere Teil!”, rief der Eine. „Aber ich habe dich gerettet, als du fast ertrunken wärst, während du den Fisch fangen wolltest”, behauptet der Andere.

Während sie sich stritten, schritt der Schakal auf sie zu und bot ihnen an, den Streit zu schlichten. Die Otter waren einverstanden. Er schnitt den Fisch in drei Stücke. Dem einen Otter gab er den Kopf, dem anderen den Schwanz des Fisches. „Das Mittelstück”, sagte er, „gehört dem Richter.” Frohen Mutes sagte er: „Wer kämpft, verliert!”, und ging fort.